Handbuch für wertvollen Sport

Kleine und grosse Erfolgsgeschichten
5 – Er ist stets hier und dort und überall

Seit drei Jahrzehnten ist der bald 60-jährige Daniel Michel die gute Seele des Schlittschuhclubs Bönigen.

Der Schlittschuhclub Bönigen feierte unlängst seinen 50. Geburtstag. In der Jubiläumsschrift freute sich Vereinspräsident Roger Seiler nicht nur über den guten vierten Rang der ersten Mannschaft in der Zweitliga-Meisterschaft, er dankte auch allen, die den Verein «unterstützt haben, unterstützen und unterstützen werden». Speziell würdigte er Daniel Michel, die «gute Seele des SC Bönigen», für sein jahrzehntelanges Engagement als Betreuer: «Dani schaut bei den Trainings und den Spielen für das Wohl der Spieler und versorgt sie mit Getränken, Schokolade und Früchten. Auch neben dem Spiel- und Trainingsbetrieb ist er aktiv. So hängt er zum Beispiel sämtliche Matchplakate der Heimspiele der beiden Böniger Mannschaften auf.»

Daniel Michel, seit seiner Geburt gesundheitlich beeinträchtigt, ist stets voll da, wenn der Klub ihn braucht. Es seien jeweils etwa dreissig Matchplakate, die er aufhänge, sagt er. Früher sei er mit dem Töffli von Plakatwand zu Plakatwand unterwegs gewesen, nun habe er statt dem Töffli einen Flyer. Bei den Trainings und den Spielen sorge er sich um das Wohl der Spieler: «Ich bin jeweils eine gute Stunde früher da. Dann schaue ich, dass genügend Tee oder Isostar vorhanden ist. Und wenn es nach dem Einlaufen losgeht, wenn der Match beginnt, bin ich auch dabei: Ich stecke den Spielern Schoggistücke oder Orangenschnitze zu, bin sofort zur Stelle, wenn etwas mit dem Eis nicht stimmt, und habe Kältespray oder Pflaster zur Hand, um kleinere Verletzungen zu verarzten.» Dann sei es, als spiele Dani selber mit, sagt Werner Seiler, Gründungsmitglied und Ehrenpräsident des SC Bönigen: «Er fiebert mit, bleibt an der Bande aber doch stets ruhig und besonnen. Alle kennen ihn, alle schätzen ihn. Die Schiedsrichter und viele Spieler gegnerischer Mannschaften begrüssen ihn jeweils persönlich. Auch das gibt Dani das gute Gefühl, dazuzugehören. Er weiss, dass er eine wichtige Aufgabe erfüllt, die von allen geschätzt wird – und die auch ein bisschen zum Erfolg des Klubs beiträgt. Ich glaube, dass sein Mittun für alle ein Gewinn ist. Für uns ist er eine grosse Hilfe, ihm gibt es Befriedigung. Was man gibt, bekommt man meist auch zurück.» – «Ja», sagt Dani, «das ist so. Es ist auch immer schön, nach dem Training oder nach dem Match noch mit einigen Spielern zusammenzusitzen und mich mit ihnen über einen Sieg zu freuen oder über eine Niederlage zu ärgern. Ich schaue aber immer voraus. Kontrolliere, ob im Materialkoffer etwas fehlt. Überlege mir, ob beim nächsten Training oder beim nächsten Match etwas Zusätzliches benötigt werden könnte.»

Den Erfolg und das Rampenlicht habe er nie gesucht, sagt er. Es genüge ihm, im Hintergrund zu sein und so einen Beitrag zum Funktionieren des Vereins leisten zu können: «Es ist wichtig, dass es Amateurklubs wie den SC Bönigen gibt. Hier werden die Talente entdeckt und gefördert, die dann in den grossen Klubs Erfolg haben.» Daniel Michel weiss, wie wertvoll es auch für ihn ist, von jemandem begleitet zu werden, auf den Verlass ist: «Von meiner Mutter, mit der ich zusammenlebe.» Sie unterstützt ihn, gibt ihm Halt und ermöglicht es ihm, sich neben der Arbeit in der Schreinerei eines Behindertenheims, neben seinem geliebten Hobby als Fischer und dem Singen im Kirchenchor so verantwortungsvoll und ausdauernd für «seinen» SC Bönigen engagieren zu können. «Ja, ja», sagt sie, «ich unterstütze ihn nach Kräften. Ich habe früher oft auch Tee gekocht für die Mannschaft oder Dresses gewaschen.» Von ehrenamtlich tätigen Menschen wie Daniel Michel und seiner Mutter lebe der Sport, sagt der Böniger Ehrenpräsident Werner Seiler, der ebenfalls auf ein halbes Jahrhundert ehrenamtliche Arbeit für den Klub zurückblicken kann: «Der Sport ist auf Menschen angewiesen, die bereit sind, im Verein Aufgaben zu übernehmen und sich auch für eine gewisse Zeit zu verpflichten.»

Am Beispiel Daniel Michel zeigt sich, dass im Wort «Betreuer» das Wörtchen «treu» steckt.

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