Handbuch für wertvollen Sport

Kleine und grosse Erfolgsgeschichten
3 – Von den Kindern, die sie trainiert, kommt «megaviel» zurück

Die einst ambitionierte junge Schwimmerin Stephanie Hirschi ist nun Wasserballerin – und trainiert Nachwuchsspielerinnen, die noch viel jünger sind als sie.

Wasser ist Stephanie Hirschis Element. Schon als Erstklässlerin «zog es mich immer ins Wasser», sagt sie. So wurde aus der kleinen Badenixe bald eine talentierte und ambitionierte Schwimmerin. Sie schwamm und schwamm und träumte bereits von Olympia. Als Drittklässlerin begann sie systematisch und hart zu trainieren. Sie tat das «recht gern», sagt sie. Das ständige Feilen an der Technik, die immer wieder spürbare und auch messbare Verbesserung ihrer Leistung, die Aufnahme ins Nachwuchskader: Das motivierte sie und war stets wieder ein Anreiz, sich weiter zu verbessern. Doch auf einmal wurde ihr alles zu viel. Bis zu 23 Stunden Training pro Woche, zweimal zwischen 6 und 8 Uhr früh und oft auch noch am späten Abend: Das überstieg – neben den Anforderungen der Schule und später der KV-Lehre bei Swiss Olympic – ihre Kräfte. Physisch und psychisch. Deshalb begrub sie als Sechzehnjährige ihre sportlichen Ambitionen und gab das Wettkampftraining auf. «Es war aber eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte», betont sie. «In den anforderungsreichen Leistungstrainings habe ich viel gelernt: Selbstständigkeit, Disziplin, Durchhaltewille – und die Fähigkeit, die Tage und Wochen genau zu planen und stets auch einzuhalten, was ich mir vorgenommen habe.»

So ganz aus dem Wasser gestiegen ist Stephanie Hirschi aber nicht. Aus der ambitionierten Schwimmerin ist eine begeisterte Wasserballerin geworden. Der WK Thun hatte sie zu einem Probetraining animiert – und sie war sogleich fasziniert: «Im Gegensatz zum Schwimmen, das ein doch sehr monotones Training bedingt, ist Wasserball sehr vielseitig. Schwimmerisches Können ist eine wichtige Grundlage, es braucht aber auch Übersicht, Taktik und Kampfgeist – die Bereitschaft, auch mal hart ranzugehen. Wasserball ist eine Teamsportart. Man gewinnt als Team und man verliert als Team. Das gefällt mir. Und nun, als bald Zwanzigjährige, bereue ich es nicht, mit Schwimmen aufgehört zu haben.» Dass Wasserball eine Randsportart ist, die auch in den Medien kaum Beachtung findet, stört sie nicht: «Dieser Sport befriedigt mich voll. Und es freut mich ungemein, dass wir zweimal hintereinander Schweizer U20-Vizemeisterinnen und mit der Elite sogar Cupsiegerinnen geworden sind.» Noch mehr freut sie, dass schon ein paar ganz Junge in ihrem Team integriert sind. Für sie engagiert sie sich.

Stephanie Hirschi trainiert, betreut und fördert bereits Nachwuchsspielerinnen und -spieler, darunter solche, die noch etliche Jahre jünger sind als sie: U11 – jünger als 11 Jahre. Sie tut dies leidenschaftlich gern: «Für mich war immer klar, dass ich mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben will, wenn ich mit dem Leistungssport aufhöre. Dass ich das jetzt schon kann, befriedigt mich sehr. Ich sehe, dass die Kinder von mir profitieren können. Und ich spüre, dass sie mir megaviel zurückgeben – nur schon wenn sie gern ins Training kommen und mich mit einem freudigen Strahlen begrüssen.» Für Stephanie Hirschi ist nicht wichtig, dass aus ihnen Spitzensportlerinnen werden. «Wertvoll ist schon, dass sie sich bewegen und Spass haben», sagt sie. Insgeheim hofft sie aber schon, dass einige von ihnen vielleicht einmal erleben dürfen, was für sie wohl ein Traum bleiben wird: eine Teilnahme an den Olympischen Spielen. Im Wasserball, bemerkt sie, muss man im Gegensatz zum Schwimmsport nicht unbedingt ganz jung sein, um zur Spitze zu gehören: «Man sagt, das ideale Alter sei zwischen 30 und 35 – ich hätte also noch einige Jahre Zeit.»

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