Handbuch für wertvollen Sport

Die Ethik-Charta gilt für alle im Sport
Das Wichtigste im Sport

Wer die Ethik-Charta für den Schweizer Sport lebt, treibt sauberen, respektvollen, fairen und erfolgreichen Sport – und tut damit Gutes für sich selbst, die Sportwelt und die Gesellschaft. Ob im Breitensport oder im Spitzensport: Wir alle machen den Sport wertvoll – in den Trainings, an Wettkämpfen und in der Öffentlichkeit. Tragen wir Sorge zum Sport!

Die olympische Idee ist eine grossartige Sache. Sie verbindet Kultur und Erziehung mit der Freude am Sport treiben. Hinter der Idee steht der französische Baron Pierre de Coubertin. Er war Erzieher, und die Friedensförderung war ihm ein grosses Anliegen. Im Sport sah er die grosse Chance, den Egoismus von Nationen zu überwinden und die internationale Verständigung zu fördern. Sein Anliegen ist heute aktueller denn je.
 

Ideale statt Skandale

Die olympische Bewegung hat die olympische Idee bis in die heutige Zeit getragen. Doch sie blieb von Krisen nicht verschont. Boykotte von Olympischen Spielen, Doping-Skandale und Korruptionsvorwürfe an die Adresse von Funktionären mach(t)en immer wieder Schlagzeilen.

2002 beschliesst Swiss Olympic mit dem Bundesamt für Sport, etwas gegen diese negativen Aspekte zu tun und der olympischen Idee auch im Breitensport mehr Gewicht zu verleihen. Für Ethik im Sport interessieren sich zu diesem Zeitpunkt nur wenige. Trotzdem werden die olympischen Werte aktualisiert und zeitgemäss formuliert, bis die sieben Grundsätze der Ethik-Charta im Schweizer Sport feststehen.

Die Schweiz hat nun eine Grundlage, um den sauberen, respektvollen, fairen und erfolgreichen Sport zu fördern. 2015 wird die Charta um zwei neue Prinzipien zu den Themen Korruption sowie Alkohol und Tabak ergänzt. Um das Thema Ethik kommt unterdessen niemand mehr herum. Shitstorms auf Twitter oder Facebook können auch das Ansehen einer Organisation oder einer Sportpersönlichkeit in kürzester Zeit zerstören.

Im internationalen Vergleich ist die Schweiz eine Pionierin. Nur wenige der über 200 nationalen Verbände im Internationalen Olympischen Komitee kennen ähnliche Grundsätze. Denn sie transportieren in idealer Weise die drei Werte der olympischen Bewegung: Höchstleistung, Freundschaft und Respekt. Die Ethik-Charta macht klar: Die olympischen Werte gelten für alle im Schweizer Sport.

Drei wichtige Punkte und eine ganze Reihe von Informations- und Sensibilisierungsmassnahmen sorgen dafür, dass die Charta mehr ist als ein Bogen Papier:

  • Im Spitzensport: Die Ethik-Charta ist Teil der Vereinbarung, die alle Sportlerinnen und Sportler der Schweizer Delegation an Olympischen Spielen unterschreiben.
     
  • In den Verbänden: Der «Code of Conduct» regelt, wie Swiss Olympic arbeitet und handelt. Er hilft, fragwürdige Situationen im Verband rechtzeitig zu erkennen, und gibt Tipps, wie damit umzugehen ist. Jeder der angeschlossenen 86 Schweizer Sportverbände erarbeitete bis Ende 2016 seinen eigenen «Code of Conduct» aus und sorgt dafür, dass diesem auch nachgelebt wird.
     
  • Im Jugendsport: Sportlerinnen und Sportler und ganze Teams bekennen sich zu den sechs Commitments von «cool and clean». Damit verpflichten sich die jungen Talente zu fairem und sauberem Sport und bilden eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten


Ein sehr guter roter Faden

Inzwischen orientieren sich die Schweizer Sportverbände an der Ethik-Charta.
Autoren, die Hilfsmittel für die Verbandsführung erstellen, stützen sich auf die Charta und integrieren so Ethik in Vereinbarungen, Verträge und Zielsetzungen.
In Vorlagen für Statuten oder Verträge ist Ethik ein fixer Bestandteil. Dank der Charta ziehen sich die Anliegen wie ein roter Faden durch den Schweizer Sport. Die damit verbundenen Herausforderungen werden nicht mehr in eine Schublade abgeschoben, beispielsweise weil in einem Verein oder Verband ein neuer Präsident am Ruder ist.

Um von Swiss Olympic Geld zu erhalten, müssen die Verbände die Ethik- Charta in ihren Statuten verankern. «Wir können Fördergelder auch zurückhalten, wenn unsere Vorgaben nicht erfüllt werden», sagt Roger Schnegg, Direktor von Swiss Olympic.

«Es ist enorm wichtig, dass wir das Verhalten der J+S-Leiter und Trainer schulen; sie sind Vorbilder, Botschafter und Garanten für die richtige Inszenierung des Sports. Dies gilt sowohl für den Breiten- als auch für den Leistungssport», erklärt Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport.

Swiss Olympic geht unterschiedlich vor, um die Inhalte der Ethik-Charta umzusetzen. Genutzt werden Leistungsvereinbarungen, Förder- und Unterstützungsprogramme, Fachtreffen und Kurse, nationale und internationale Sportanlässe sowie die Präsenz in den bestehenden Kommunikationskanälen. Es hat sich zudem klar gezeigt, dass Ethik am besten als integrierter Teil im Sport und alltagsnah umgesetzt wird.


Etwas Bestimmtes betonen

Alle neun Prinzipien der Ethik-Charta sind wichtig. Doch es ist sinnlos, immer über alle neun gleich intensiv zu reden. Bei Fairness und Umweltverantwortung, Doping, Ausbeutung sowie Tabak und Alkohol ist Swiss Olympic derzeit besonders aktiv. Inhaltliche Schwerpunkte legen die Sportverbände jedoch selber fest, denn niemand kennt die Bedürfnisse ihrer Sportlerinnen und Sportler so gut wie sie.

Der Schweizer Sport sorgt Tag für Tag dafür, dass die Ethik-Charta gelebt wird. Zum Beispiel gibt es immer wieder neue Leute in den Vereinen und Verbänden, neue Trainer, Leiter, Organisatoren, Fan-Verantwortliche und natürlich auch Sportlerinnen und Sportler, die über die Prinzipien der Ethik-Charta zu informieren sind. Damit sie die Charta mit ihren praktischen Anliegen in ihre tägliche Arbeit aufnehmen und dann weiter in den Schweizer Sport tragen, braucht es ab und zu auch Überzeugungsarbeit.

«Heute ist Ethik im Sport in der Schweiz ein wichtiges Thema», sagt der  Präsident von Swiss Olympic. «Das ist gut so. Denn wenn zum Beispiel Gewalt in und um die Stadien, Wettmanipulationen, Dopingskandale oder Korruption durch Verbandsfunktionäre für Schlagzeilen sorgen, leidet die Glaubwürdigkeit des Sports generell. Wir aber wollen einen fairen und transparenten Sport und keine Mauscheleien in irgendwelchen Hinterzimmern.»

Die Ethik-Charta für den Schweizer Sport ist eine zentrale Grundlage für die Sportentwicklung. Sie macht Ethik im Sport zu einem grossen Bild, an dem täglich gemalt wird. Wie das Bild aussieht, beeinflussen wir alle, und zwar Tag für Tag. Ob Breiten- oder Spitzensportler, Fan oder Funktionär: Jeder im Sport malt mit am grossen Bild. Wir alle machen den Sport wertvoll.

 

 

 

Bilder: Beni Thurnheer, Sportreporter-Legende; Martina Kocher, Weltmeisterin Rennrodeln; Sämi Wyttenbach, Leiter Werte bei Swiss Olympic; Moritz Bauer, Fussball-Profi bei GC

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